Citazione 9
di Georg Kühlewind sul
Improvisation
Die autonome Aufmerksamkeit ist formfrei, d.h. nicht im voraus geformt; daher kann sie alle Formen vorübergehend annehmen, sich mit allen identifizieren und sich aus der angenommenen Form wieder lösen, um sich einem anderen Objekt zuzuwenden. Die geformten Gebilde sind verständlicherweise nicht erkennend, eben weil sie schon bleibend geformt, festgelegt sind. Aus Egoität kann nichts erkannt werden; jedes Erkennen ist selbstlos, oder es ist keines. Selbstsucht und Erkennen sind Gegensätze: wenn man sich sucht, kann man nicht das zu Erkennende suchen.
Auch für das Schaffen von neuen Formen, für das Schaffen überhaupt, sind vorgebildete Formen nicht brauchbar: Neues kann nur aus Formfreien entstehen. Zum wirklichen Sprechen [oder Singen] - in dem Neues gesagt [oder gesungen] wird - gehört das wortlose [oder tonlose] Konzipieren-Können dieses Neuen, - dann wird es in eine Wort-Sprache [oder einen Gesang] gegossen - es ist noch gießbar, noch nicht fest -. Was schon geformt ist, spricht [oder singt] nicht; es sei denn, daß ein Verstehen, ein Verstehender das Geformte, einen geschriebenen Text [oder eine Partitur] z.B., wieder in die flüssige Phase hebt: nur auf diese Weise »wortet« es und kann verstanden werden. Die Improvisation wurde als die schöpferische, Neues schaffende Gebärde erkannt. Diese Gebärde steht diametral den unterbewußten Formen, den Assoziationen, dem Gewohnheitsmäßigen gegenüber. [...]
da «Vom Normalen zum Gesunden»; p.86s.
verso la summenzionata